Der Teckbote vom 29.05.2006

 

Faszination Oldtimer: "Das hoppelt so schön"

 

 

HOBBY / 75 Teilnehmer bei der zwölften Rallye
der Oldtimer-Veteranen-Gemeinschaft Bissingen

 

75 Teilnehmer trotzten in den gestrigen Morgenstunden dem schlechten Wetter und tuckerten im Rahmen der zwölften Rallye der Bissinger Oldtimer-Veteranen-Gemeinschaft über die Landstraßen. Doch Petrus scheint ein Fan von coolen Knatterkisten zu sein: Pünktlich zum Start konnten die Zuschauer ihre Regenschime zuklappen.
ANKE KIRSAMMER

BISSINGEN "Guck amol was des für a riesigs Lenkgetriebe isch. Des Gfährt verdient dr Name ,Kraftfahrzeug". Fasziniert deutet Peter Winkler auf die außenliegende Technik des restaurierten französischen Busses aus den 1920er-Jahren. Eigentlich hat der Leiter des Geislinger TÜV Service-Center bei der Rallye die Aufgabe, nicht zugelassene Fahrzeuge abzunehmen. Doch Fachsimpeln gehört für den bekennenden Unimog-Fan bei Oldtimer-Treffen einfach dazu. Und wenn schon die auf Hochglanz polierten Chromleisten an den in Reih und Glied präsentierten Motorrädern Marke Zündapp, NSU, BMW, Horex, Triumph und wie sie alle heißen, nicht in der Sonne blitzen, so leuchten die Augen der Zweiradfans doch um die Wette, als sie Details wie Speichenräder, Karbidlampen und Boxermotoren an den von Tüftlerhand hergerichteten Zweirädern bestaunen.

Gemächlich rollen die Fahrzeuge über die Stahlbrunnstraße. Moderator Günther Gölz lenkt die Aufmerksamkeit auf eine in Himmelblau und Weiß gestrichene mini BMW Isetta genauso wie auf schwarze Mercedes-Karossen. Einen zuverlässigen Start müssen sie alle hinlegen: Ob Rarität wie eine im Jahr 1924 gebaute Monet Goyon, das an eine Kutsche erinnernde Ford-T-Modell von 1916 oder zwischen 20 und 30 Jahre alte Youngtimer. Denn bei der Rallye zählt nicht, wie flott die Tour von Bissingen über Weilheim, Gruibingen, Mühlhausen, Gosbach, Bad Ditzenbach, Auendorf, Gammelshausen, Heiningen, Bezgenriet, Hattenhofen, Schlierbach, Ohmden, Zell, Weilheim und wieder nach Bissingen zurückgelegt wird Punkte gibt's vielmehr bei Übungen, die zeigen, wie vertraut der Lenker mit seinem Fahrzeug ist. In Hattenhofen gilt es beispielsweise, einen Rundkurs zweimal in möglichst der gleichen Zeit zu absolvieren.

Holen manche Oldtimerfans ihr "Heilix Blechle" lediglich zu Rallyes aus der Garage, so komplettieren die fahrbaren Untersätze aus den 50er- oder 60er-Jahren bei anderen den gewöhnlichen Fuhrpark. Der Bissinger Nikolaus Lang zum Beispiel traut seinem 37 Jahre alten "Wüstenfahrzeug", einem urigen Land Rover, noch Urlaubsreisen in die Alpen, die Bretagne oder gen Korsika zu. Angst, mit dem Veteran liegen zu bleiben, hat er nicht. "In dem Auto steckt null Elektronik. Da kann ich alles selbst reparieren." Dass das Lenkrad auf der rechten Seite angebracht ist, stellt bei einer maximalen Geschwindigkeit von 110 Stundenkilometern ebenfalls kein Problem dar. "Wir überholen eh kaum", sagt die achtjährige Antonia, die ihren Vater über die Strecke lotsen wird, keck vom Beifahrersitz. Was sie an einer Ausfahrt mit dem Oldtimer reizt? Antonias Antwort kommt wie aus der Pistole geschossen: "Das hoppelt so schön."

Die Kameradschaft untereinander ist es, was die Faszination des zeitaufwändigen Hobbys für Herbert Hummel, Erster Vorsitzender der OVG Bissingen, und selbst Besitzer von sechs Motorrädern, ausmacht. "Ob du in die Pfalz kommst oder nach Südtirol, du bist mit allen per Du. Egal, ob einer Arzt oder Professor ist man hilft sich gegenseitig."

Und so gab's offensichtlich auch bei der gestrigen, aufgrund der unsicheren Wetterlage gekürzten Schleife, keine Ausfälle. Gesamtsieger wurde im Übrigen der Bissinger Markus Einsele auf Mc Cormick. Der Lokalmatador gewann auch in der Gruppe E. In der Gruppe A fuhr Kurt Geiger auf Horex nach vorne. Der Fahrer aus Mückenloch war gleichzeitig der Teilnehmer mit der weitesten Anreise. Die Gruppe B gewann Manfred Eichenlaub aus Hanau auf Monet Goyon. In der Gruppe C hatte Friedrich Kayser aus Schorndorf auf Ford die Nase vorn. Er chauffierte mit dem Ford T (Baujahr 1916) auch das älteste Fahrzeug durchs Albvorland. Der Stuttgarter Klaus Maier siegte unangefochten mit seinem Renault-Bus in der Gruppe D. Der 1924 geborene Erwin Walter aus Kirchheim war auf BMW der älteste Teilnehmer. Jüngster im Starterfeld war der 1988 geborene Patrick Steegmaier aus Bissingen auf Eicher. In der Damenwertung siegte Marion Glaser aus Nabern auf einem Lanz Alldog vor Renate Gölz, Nabern, ebenfalls auf einem Lanz. Die Mannschaftswertung gewannen die Saurier Holzmaden vor dem Team Hoflädle Nabern.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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