NWZ NEUE WÜRTTEMBERGISCHE ZEITUNG
 
 Kreis Göppingen

Nostalgie auf Rädern bei Oldtimer-Rallye

Ein Gefühl für ihre betagten Autos, Traktoren und Motorräder mussten die Teilnehmer der Bissinger Oldtimer-Rallye am Sonntag beweisen. Doch das meiste Können steckt schon in den restaurierten Maschinen.

Autor: TOBIAS FLEGEL | 27.05.2013


 

Foto: Staufenpress Willi Hogh wartet in seinem roten Aero bis er die erste Prüfung ablegen darf. Der Teilnehmer aus Frickenhausen hat den tschechischen Oldtimer rund zwei Jahre restauriert.


 

"Mich frierts wie ein Schneider", stößt der Mann in der schwarz-roten Regenkluft hervor. Vom seinem Motorradhelm tropft Regen, das Gesicht hinter dem offenen Visier ist gerötet. Das elektrische Thermometer an dem Gebäude des Busunternehmens in Hattenhofen zeigt kurz nach elf Uhr vormittags sieben Grad an.

Der Fahrer ist vor wenigen Minuten mit seiner alten BMW auf den Hof neben der Firma gefahren. Er ist einer von insgesamt 43 Teilnehmern einer Oldtimer-Rallye, die am Sonntag rund 100 Kilometer von Bissingen durch das Voralbgebiet und wieder zurück führte. Die Oldtimer-Veteranen-Gemeinschaft Gau-Teck Bissingen (OVG) richtete den Wettbewerb zum 19. Mal aus.

Vier Prüfungen müssen die Teilnehmer bestehen. Die erste ist ein Gleichmäßgkeitstest: Die Fahrer drehen mit ihren Gefährten eine Runde um die Halle des Busunternehmens in einer selbst gewählten Geschwindigkeit. Die zweite Runde müssen sie möglichst in der gleichen Zeit zurücklegen wie die erste. "Jede Sekunde zu viel oder zu wenige gibt einen Strafpunkt", erklärt Rainer Bohner. Er misst mit Karl Bezler die Zeit der Fahrer an der ersten Station auf dem Firmengelände.

Geschicklichkeit und Augenmaß sind bei den weiteren drei Prüfungen gefragt. Beim zweiten Test fahren die Teilnehmer bis auf 55 Zentimeter auf ein schräges Brett heran. Wieder müssen sie selbst abschätzen, wann der Abstand erreicht ist. Bei der dritten Prüfung nähern sie sich einem Hindernis bis auf 1,15 Meter, bei der vierten müssen sie mit Vorder- und Hinterrad eine Hupe auf dem Boden auslösen.

Dem ersten Test wollen sich gegen 11.20 Uhr mehr und mehr Teilnehmer stellen. Ein Schmuckstück neben dem anderen steht auf dem Hof des Busunternehmens: Ein Feuerwehrauto von Magirus-Deutz, ein Traktor des Herstellers Eicher, ein Käfer und mehrere Mercedes sowie Motorräder von NSU und BMW.

Hans Fendts Zündapp-Motorrad steht da wie eine Eins. "Es ist ein Einheitsmodell, Baujahr 1928", sagte er. Wie die meisten Fahrer hat der Uhinger mit viel Liebe und Ausdauer seine Maschine wieder hergerichtet. Wie neu sieht auch das rote Auto von Willi Hogh aus - dabei rollte das Cabriolet 1932 aus einer Fabrik in Prag. Der Frickenhausener entdecke den Wagen des Herstellers Aero bei einem Urlaub im Bayerischen Wald und kaufte es nach einigen Wochen Bedenkzeit. "Zwei Jahre hab ich es restauriert", sagt Hogh. Doppelt so lang saß das Paar hinter ihm an seinem Triumph. "Den hatten wir komplett zerlegt", berichtet Sabine Weiss. Stolz öffnet ihr Mann Markus die Motorhaube des Roadsters und zeigt das Innenleben des schnittigen Wagens, der 1978 in England hergestellt wurde.

Die Stimmung des Paares aus Sankt Johann scheinen Regen, Wind und Kälte nicht zu trüben. Fröhlich unterhält es sich mit anderen Teilnehmern und wartet, bis es um die Halle fahren darf. Etwas vor ihren in der Reihe steht Hans Fendt. "Die Finger sind zwar kalt, aber bei schönem Wetter kann ja jeder fahren", sagt der Uhinger.

 

http://www.swp.de/goeppingen/lokales/goeppingen/Nostalgie-auf-Raedern-bei-Oldtimer-Rallye;art5583,2022125